Dieses Gedicht ist mir heute in die Hände gefallen & ich finde, es passt unglaublich gut zu der Zeit, in der wir leben.
Ich möchte nichts dazu sagen, es einfach im Raum schweben lassen & dem Gedicht die Freiheit geben, euch zum Nachdenken anzuregen…
Niemand sucht aus
Man sucht sich das Land seiner
Geburt nicht aus,
und liebt doch das Land,
wo man geboren wurde.
Man sucht sich die Zeit nicht aus,
in der man die Welt betritt,
aber muss Spuren in seiner Zeit hinterlassen.
Seiner Verantwortung kann sich
niemand entziehen.
Niemand kann seine Augen
verschließen, nicht seine Ohren,
stumm werden und sich die Hände
abschneiden.
Es ist die Pflicht von allen zu lieben,
ein Leben zu leben,
ein Ziel zu erreichen.
Wir suchen den Zeitpunkt nicht aus,
zu dem wir die Welt betreten,
aber gestalten können wir diese Welt,
worin das Samenkorn wächst,
das wir in uns tragen.
Gioconda Belli
Gioconda Belli, geboren 1948 in Managua, ist als nicaraguanische Schriftstellerin und Lyrikerin eine der international bekanntesten lateinamerikanischen Autorinnen.
Belli ist eine Freiheitskäpferin und schloss sich 1970 der FSLN an, der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront gegen die Dikatatur der Somoza-Familie.
Sehr schön, sehr beständig, sehr annalena. Ich bin erfreut über dein anhaltendes lyrisches Interesse, und deine zu Schulzeiten wie auch heute noch unerreichte Fähigkeit, die passendsten Worte zu sagen, oder wie in diesem Falle die richtigen, “fremd” gesagten Worte zu finden!
Mach weiter so, du schönmenschiges Wesen, begleitet mir in nicht-physischer-Art-aber-gedanklicher.